Zwischen Kontinenten und Körperweisheit

Costa Rica 3 

Ich sitze gerade in Amsterdam.

In einer Lounge, irgendwo zwischen Kontinenten, zwischen Identitäten, zwischen dem, was war, und dem, was noch keinen Namen hat. Vor mir steht ein Latte Macchiato – natürlich nicht stark genug, also habe ich ihn mit Cappuccino aufgepimpt. Nicht aus Undankbarkeit. Sondern aus Selbstkontakt. Eine kleine Geste von: Ich darf es mir stimmig machen.

Gestern bin ich von Costa Rica nach Europa geflogen. Viel liegend. Viel schlafend. Mein Körper wurde getragen, mein Nervensystem durfte endlich ein Stück loslassen – und gleichzeitig war mein Herz noch ganz woanders. Noch im Dschungel. Noch am Strand. Noch in diesen sieben Wochen, sieben Wochen  in denen mein System pausenlos gearbeitet hat: regulieren, halten, hoffen, loslassen, neu sortieren.

Business Class macht Reisen angenehmer, ja. Aber ich brauche kein fancy Essen und keinen Alkohol. Ich brauche Raum. Platz zum Liegen. Platz zum Atmen. Und während ich das so dankbar annehme, spüre ich auch diese leise Traurigkeit darüber, dass so viele Menschen, die körperlich / seelisch angeschlagen sind und dringend eine Pause bräuchten, sich genau diesen Raum nicht leisten können. So funktioniert also diese Welt. Und ich sitze mittendrin.

Seit Jahren trage ich diesen Ruf in mir, Lateinamerika zu bereisen. Und heute weiß ich: Es ging nie wirklich um Länder. Es ging um Schwellen. Um Initiation. Um den Beginn meines eigentlichen Lebens. Pflanzenmedizin. Erdung. Entschleunigung. Nicht romantisch sondern radikal ehrlich.
Costa Rica sollte mein erster Übergangsraum sein. Gemeinschaft. Erde unter den Füßen. Lernen, wieder zuzuhören. Lernen, still zu werden. Lernen, zu bleiben, wenn es unbequem wird. Ich wollte dort als Volunteer wirken – und bin vor allem gekommen, um mich selbst wieder einzusammeln.
Ich habe viel losgelassen dafür. Meinen Job. Sicherheiten. Beziehungen, die ich innerlich nicht ehrlich hätte halten können, solange dieser Ruf so laut war. Ich habe gespart, meinen Körper vorbereitet, mein Nervensystem trainiert. Und vor allem habe ich innerlich Platz gemacht.
Ich bin nicht gereist, um etwas zu finden.
Ich bin gereist, um anzukommen.
Vielleicht auch, um etwas sterben zu lassen.

Kurz vor der Abreise begann mein Körper zu sprechen. Nicht wie üblich durch Schwindel & Gangunsicherheit. Nein.  Zwei Tage vor meiner Abreise begann ein Zwicken und dann ein Brennen. Dennoch hörte ich auf mein Herz, auf mein Bedürfnis nach Abstand zu Deutschland und ankommen bei mir –holte mir den einen oder anderen medizinischen Impuls ein - und stieg in den Flieger nach Costa Rica.

Nur wenige Tage angekommen in Costa Rica durfte ich mein Hostel verlassen und nach einer 8 stündigen Fahrt mit der Ambulanz mit einem Krankenhaus eintauschen.

Denn Schritt für Schritt  wurde das Brennen lauter und es breitete sich langsam in:  Rücken, Beine, Po, ein feines Kribbeln bis in die Füße aus.

 Die Nächte wurden schlaflos, mein System unruhig, und die Schmerzen zogen wie Feuer durch mich hindurch, als würde jede Zelle gleichzeitig um Aufmerksamkeit bitten.
Schmerzen wie Feuer im System.

Ein balancieren zwischen Innerem Kind und einem stabilen Erwachsenen Anteil, der bewusst, achtsam Entscheidungen traf.

 Von dort aus bin ich weiter ins Eco Village gefahren, mit dieser Mischung aus Hoffnung und innerer Unruhe, mit dem Wunsch nach Heilung und gleichzeitig dem Gefühl, dass etwas Größeres bereits begonnen hatte.

Ich wurde Kitchen Mama. Ich nahm am Silent Retreat teil. Ich habe viel Rapé genutzt, um mich zu erden, um meine Gedanken zu sammeln, um bei mir zu bleiben. Ich habe mich alten, vermeintlichen Schatten zugewandt – und ihre Medizin erkannt. Auch Hash war Teil davon, nicht als Flucht, sondern als Spiegel: Weniger Angst vor Kontrollverlust, mehr Vertrauen in mich.

Doch nach zwei Wochen wurde es nicht besser. Cortison kam dazu, sowie  einige weitere Medikamente. Ich habe sie behutsam eingenommen, habe versucht, meine Rolle zu halten. Aber ich konnte nicht sitzen. Nicht an Zeremonien teilnehmen. Nicht bei Workshops bleiben. Yoga ging nicht. Meditation kaum.

Und irgendwann wurde mir schmerzhaft klar: Das Weggehen aus Deutschland, um weniger mit dem konfrontiert zu sein, was ich körperlich gerade nicht kann, hat überhaupt nicht funktioniert. Ich hatte geglaubt, Abstand würde Heilung bringen – doch mein Körper ist mitgereist. Nur diesmal eben unter anderem Symptomen...

Neben meinen Aufenthalt in Pachamama fand ich mich plötzlich in Krankenhäusern nieder, dazwischen stundenlange Fahrten durch fremde Landschaften, während ich versuchte, mich innerlich zusammenzuhalten.
 Untersuchungen folgten, Infusionen, Schmerzmittel, Entzündungshemmer – und immer wieder dieses stille Hoffen, dass mein Körper irgendwann verstehen würde, dass ich auf seiner Seite bin.

Mein wirklicher Zufluchtsort wurde ein wunderschöner Strand, zwanzig Minuten Busfahrt entfernt von dem Eco Village.. Dort durfte ich mich für Momente wieder normal fühlen. Ich saß im Sand, hörte den Wellen zu, ließ die Sonne auf meine Haut fallen und erinnerte mein Nervensystem daran, dass es sicher ist.

Und neben Strand, Sonne und Natur war da noch etwas, das mich getragen hat: mein Wirken.

Ein- bis zweimal die Woche habe ich online Menschen gecoacht. Diese Sessions waren kleine Anker im Chaos. Sie haben mich daran erinnert, wer ich bin, wenn ich nicht kämpfe. Dass meine Stimme wirkt. Dass Verbindung auch über Kontinente hinweg heilt. Zwischen Meer, Bildschirm und Herz habe ich mehr Medizin gefunden als in all den Behandlungsräumen zuvor.

Vier Wochen später wieder San José. Neue Diagnostik. Entzündung L4/L5/S1, mechanische Reizung des Sakralgelenks. Drei Injektionen. Neue Medikamente. Zurück ins Eco Village.
Keine 24 Stunden später waren beide Beine taub.

Und da wusste ich: Jetzt ist Schluss mit Durchhalten.

Die Heimreise wurde organisiert. Zehn Tage Warteschleife zwischen Vertrauen und Overthinking. Symptome rauf, Symptome runter. Und kaum hatte ich mich innerlich wirklich für die Rückkehr entschieden, passierte genau das, was so oft im Leben passiert: Auf einmal kamen sie – heilsame Impulse, neue Ideen, kraftvolle Möglichkeiten direkt hier in Costa Rica. Menschen meldeten sich. Optionen tauchten auf. Lösungen lagen plötzlich greifbar nah.

Ich musste leise lachen.
Weil ich dieses Muster so gut kenne.
Erst wenn wir loslassen, beginnt sich das Feld zu bewegen.
Erst wenn wir bereit sind zu gehen, zeigt sich, was noch möglich gewesen wäre.

Ich habe das nicht als Ironie empfunden, sondern als liebevolle Erinnerung des Lebens: Du darfst vertrauen. Du darfst wählen. Beides ist richtig. Beides ist "falsch".

Und trotz dieser Achterbahnfahrt – vielleicht gerade deshalb – konnte ich für andere Joy und Tiefsinn verkörpern. Mitten im Schmerz habe ich gelacht, zugehört, gehalten, gespiegelt. Ich war offen mit meiner Verletzlichkeit – und gleichzeitig floss diese sonnige Energie durch mich hindurch. Menschen sagten mir nach wenigen Stunden Abwesenheit, meine Präsenz fehlt. Mein Lachen. Meine Worte, selbst in meinem gebrochenen Englisch...Dass sie sich durch mich gesehen und gehalten gefühlt haben.
Schwer zu greifen.

Aber vielleicht ist genau das meine Medizin: Licht nicht trotz des Schattens, sondern aus ihm heraus.

In diesen Wochen haben sich Dinge in mir gesetzt:

Es muss nicht perfekt sein – sondern einfach nur gut.
Sei sanft mit dir.
Ich bin hochsensitiv und darf meiner Körperweisheit mehr vertrauen.
Weniger Selbstoptimierung, mehr Selbstintegration.
Schatten nicht bekämpfen – umarmen.
Auch wenn du deinen Weg kennst: Setz dich nicht unter Druck.
Das Universum ist für dich.


Ich habe verstanden, dass ich nicht viele Menschen brauche. Ich liebe es, allein zu sein – aber nur, wenn ich weiß: Da sind Menschen, die mich um sich haben wollen. Verbindung ist mein Zuhause. Ich habe Vaterwunden berührt. Grenzen gesetzt, obwohl FOMO gekickt hat.


Ich bin Reflektorin. Ich spiegele Systeme, Menschen, Felder. Vielleicht ist genau das meine Medizin.

Wie es weitergeht? Erstmal bei Freund:innen ankommen. Vielleicht nochmal ins Krankenhaus. Ich freue mich über TCM-Impulse, auf Release Sessions in meiner Wohnung, auf Raum zum Fühlen, Kräftigen und Integrieren, Das halten von Räumen für meine Coachees & Mentees - und Unterstützung jeder Art & das Träumen vom Bereisen weiterer Länder und Küsten. 

Meine Worte für 2026:

Selbstausdruck
Empfangen
Joy
Pause
Vertrauen
Flow


Und zum Schluss eine Frage an dich:

Was tust du gerne, ohne dafür Anerkennung zu brauchen?